An einem warmen Sommertag im August 2021 brauchte ich nach Feierabend noch etwas Entspannung und somit schnappte ich meinen Kamerarucksack, das Stativ und die Tarnung und fuhr aufs Feld. Ich wollte noch eine Stunde ansitzen und auf Fuchs, Hase oder Reh hoffen.

Eine halbe Stunde später saß ich unter meinem Tarnponcho im Gestrüpp und wartete. Die Sonne im Rücken, der Wind stand still. Und vor mir war es ebenso still. Kein Tier weit und breit. Irgend etwas raschelte die ganze Zeit hinter mir, doch was hinter mir passiert, konnte ich nicht sehen. Dafür hätte ich mich drehen müssen und das ist genau das, was man beim Ansitz eben nicht tut. Bloß nicht bewegen, und auf gar keinen Fall auffallen.

Es verging eine dreiviertel Stunde. Mein Rücken begann von der unbequemen Haltung an zu schmerzen. Bis auf ein paar Turmfalken die über mir rüttelten, war immernoch kein Tier in Sicht. Ich beschloss, hier abzubrechen. Vielleicht läuft oder fliegt mir ja noch etwas über den Weg, was ich bildlich festhalten konnte. Also schnallte ich meine Kamera an meinen Kamera-Brustgurt, packte zusammen und schlich noch eine Runde langsam und leise am Feld entlang.

Dann sah ich von weitem einen farbenprächtigen Jagdfasan-Hahn. Fasane sind sehr aufmerksam und bemerken uns Menschen schneller als uns lieb ist. Es ist also nicht einfach, sich an einen Fasan heran zu schleichen, ohne ihn zu verschrecken. Somit versuchte ich erst einmal, von weitem eine  Aufnahme zu machen. Durch den Sucher auf 400mm sah ich, das er nicht allein war. Da waren tatsächlich noch mindestens zwei Jungtiere bei ihm. Sie waren so gut im Gestrüpp getarnt, das man sie mit bloßem Auge gar nicht sehen konnte. Wahnsinn. Zum ersten mal in meinem Leben sah ich Jungtiere von einem Fasan. Für mich war das ein richtig erfolgreicher Abschluss, nachdem ich beim Ansitz kein Glück hatte.

Ich wollte etwas näher heran, ging in die Hocke und setzte in geduckter Haltung ganz langsam und leise einen Fuß vor den anderen, bis ich mich neben einem kleinen Hügel im Gestrüpp verstecken konnte.

Zwei kleine Fasan-Jungvögel flitzten wild hin und her. Es war leider nicht möglich, eine Aufnahme von ihnen zu machen. Sie waren viel zu schnell und wirkten sehr aufgeregt.

Plötzlich Warnrufe vom Vater. Die Kleinen waren irgendwo im Gestrüpp versteckt und ich konnte sie nur noch fiepen hören. Ich dachte, der Fasan hätte mich bemerkt und die Warnrufe galten mir, so das ich mich wieder davon schleichen wollte. Doch als ich am Hügel entlang sah, traute ich meinen Augen kaum. Die Fasane hatten einen Fuchs entdeckt, der direkt auf uns zugelaufen kam.

Er hatte es auf eines der Jungtiere abgesehen und schlich – immer die Fasane im Visier – hin und her und kam immer näher. Der Fuchs hat unwahrscheinlich gute Sinnesorgane und es dauerte nicht lange, bis er mich witterte. Meine Tarnung war ja längst im Rucksack verstaut und ich hockte einfach nur tief im Gestrüpp.

Er legte sich hin und wartete. Und ich wartete auch. Mein Herz schlug wie wild, meine Hände zitterten. Ich konnte nicht glauben, in was für einer verrückten Szene ich da gelandet war. Aus dem Nichts. Nach einem erfolglosen Anitz. Und ich hatte Angst um die Fasane. Ich wusste nicht was passieren wird. Ich wusste nur, das der Fuchs seinem natürlichen Jagdtrieb nachgeht, weil er Hunger hat. Und das die Fasane überleben wollten. Ein Teufelskreis, in dem ich mich da befand.

Doch eines war klar. Auch wenn ich den Anblick nicht hätte sehen wollen, wenn der Fuchs sich einen der Fasane greift, ich hätte still gehalten. Vielleicht hätte ich das Szenario aufgenommen. Vielleicht hätte ich auch einfach nur die Hände vor meine Augen gehalten. Nur eingreifen würde ich niemals! Das ist der Lauf der Natur und da hat man sich als „Unwissender“ raus zu halten.

Wenn ein Jäger eingreift, um das Niederwild zu schützen, ist das etwas ganz anderes und durchaus berechtigt. Ich als Beobachter und Fotograf habe kein Recht dazu. Ich bin hier nur Gast und Zuschauer.

Die Fasane und ich sind mit dem Schrecken davon gekommen. Der Fuchs zog mit sehr wahrscheinlich hungrigem Magen ab. Ich bin mir sicher, das er wusste, das ganz in der Nähe der Fasane sein Feind – der Mensch am Rande saß und so traute er sich nicht weiter heran. Wahrscheinlich hatte ich hier mit meiner Anwesenheit, genau wie bei den Schwänen im März, Niederwild das Leben gerettet.

Ich wünschte dem Fuchs für die Nacht einen Sack voll Mäuse, um seinen Hunger zu stillen und fuhr mit einem Sack voll Emotionen und aufregender Erlebnisse nach Hause.